Juristisches Laboratorium Mitteleuropa

Weimarer Zivilrechtswissenschaft

Die Weimarer Zivilrechtswissenschaft, von Knut-Wolfgang Nörr als „Zwischen den Mühlsteinen“ des Kaiserreichs und des totalitären Hitlerstaats zermahlen beschrieben, war erstaunlich produktiv, leistungsfähig und strahlkräftig. 

Allgemeines Deutsches Handelsgesetzbuch

Durch das ADHGB entsteht für nahezu hundert Jahre ein grenzüberschreitender mitteleuropäischer Rechtsraum, in dem dieses Gesetzbuch die Funktion eines gemeinsamen Obligationenrechts übernimmt und nationale Rechte verdrängt.

Mitteleuropäische Zivilgesetzgebung 

In allen nach dem Ersten Weltkrieg neu gegründeten Staaten Mitteleuropas entstanden Entwürfe für neue Zivilgesetzbücher, die eine hohe Qualität aufweisen, aber nur unzureichend erforscht sind. 

Mitteleuropäisches Eherecht 

Viele Regelungen des geltenden Eherechts erschienen nach dem Großen Krieg plötzlich als aus einer längst vergangenen Epoche überkommen. Zwar hatten schon vor 1914 ein nationale und transnationale Reformdiskurse existiert, nun jedoch nahm die Entwicklung an Fahrt auf. 

Rechtseinheit im Deutschen Bund 

Die letzten Jahre des Deutschen Bundes erscheinen als Jahre der Erarbeitung einer zahlreiche Einzelstaaten überspannenden neuen Zivilrechtsordnung - ein Projekt, das (mit Ausnahme des Allgemeinen Deutschen Handelsgesetzbuchs) vor allem an der Politik Preußens gescheitert ist.

Strafrecht zwischen Revolution und Republik

In der kurzen Zeit zwischen Revolution und Republik wurden die Grundlagen für strafrechtliche Institutionen und Denkfiguren gelegt, die die Weimarer Republik prägten und (in radikalisierter Form) in die NS-Zeit fortwirkten.

Die "Moderne" Schule Franz von Liszts

Franz von Liszt (1851–1919) gilt als Begründer der »modernen« Strafrechtsschule. Im Werk seiner internationalen Schülerschaft spiegeln sich die freiheitlichen und totalitären Potentiale seines Programms wider. Was sind die Grundlagen, Gewinne und Gefahren »moderner« Kriminalpolitik?

NEU: FROST COMES OUT OF KREMLIN?

Wissenschaftler/innen aus Polen, Tschechien und Deutschland untersuchen, in welcher Weise nach 1945 eine Stalinisierung des Zivilrechts in Polen, der CSSR und der DDR stattgefunden hat. Ist unter dem Druck der UdSSR ein sozialistischer Zivilrechtsraum in Mitteleuropa entstanden? Blieb Raum für nationale Eigenheiten oder einen Rückgriff auf Entwicklungen der Zwischenkriegszeit?

NEU: Commercial Law in South-Eastern Europe  

Das Projekt Commercial Law in Southeastern Europe: Legislation and Jurisdiction from Tanzimat Times until the Eve of the Great War erweitert das Blickfeld auf Südosteuropa und untersucht das Zusammenspiel osmanischen, französischen und mitteleuropäischen Wirtschaftsrechts in den Nachfolgestaaten des Osmanischen Reichs.  

NEU: Vom liberalen zum Sozialen Zivilprozeß

Mit dem langen 19. Jahrhundert endet das Zeitalter des liberalen Zivilprozesses, der sich als Ordnung für den "Kampf ums Recht" verstanden wissen wollte. In den neuen Rechtsordnungen des mitteleuropäischen Rechtskulturraumes beginnt der Siegeszug des sozialen Zivilprozesses. 

NEU: Warenkauf in Mitteleuropa 

Das Allgemeine Deutsche Handelsgesetzbuch von 1861 ADHGB übernahm in Mitteleuropa die Funktion eines transnationalen Obligationenrechts. Als Einheitsrecht stellt es dabei gerade für den Warenkauf ein umfangreiches Regelwerk zur Verfügung, das für die weitere Entwicklung im 20. Jahrhundert prägend ist. 


NEU: "Laboratorium für  gesetzgeberische Arbeit"

Polen stand nach dem Großen Krieg vor der Herausforderung der innerstaatlichen Rechtsvereinheitlichung über die Grenzen der europäischen Rechtskreise hinaus und der Integration in das System internationaler Rechtsnormen. 


 "Der Verlust des kulturellen Mittelpunkts in Zentraleuropa war gewiß eines der größten Ereignisse des Jahrhunderts für die westliche Zivilisation. Ich wiederhole also meine Frage: Wie ist es möglich, daß dies nicht wahrgenommen und nicht benannt wird? Meine Antwort ist schlicht: Europa hat den Verlust seines wichtigen kulturellen Zentrums nicht bemerkt, weil es seine Einheit nicht mehr als kulturelle begreift." 
(Milan Kundera) 

“Wenn ich mir für Mitteleuropa ein Wappen ausdenken müsste, würde ich in die eine Hälfte Halbdunkel und in die andere Leere tun. Das erste als Zeichen der Unselbstverständlichkeit, das zweite als Zeichen für den nach wie vor nicht gezähmten Raum. Ein schönes Wappen mit etwas undeutlichen Konturen, die man mit seiner Vorstellung ausfüllen kann. Oder mit Träumen.” 
(Andrzej Stasiuk)

 "Mitteleuropa, das ist eigentlich nicht mehr als ein Traum. Und das ist daran das Revolutionäre. Vermutlich haben die Visionen eine Chance verwirklicht zu werden. In politischer Hinsicht existiert weder Mitteleuropa noch Europa. Es existiert nur Ost und West.  Wenn es Mitteleuropa nicht gibt, dann gibt es auch Europa nicht, dann ist auch Europa ein historisches Denkmal. Ein Museum, in dem man qualitativ wertvolle und stilechte Dinge günstig kaufen kann." 
(György Konrad)